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Rückschritt beim WDR

Freitag, 29. Mai 2009 20:27

Nachdem ich hier bereits über das ZDF und dessen künftige Entwicklung geschrieben hatte, trifft es nun auch den WDR. Wie es künftig um das Online-Angebot des WDR bestellt ist, kann man seit heute bei heise lesen:

Aufgrund strengerer Bestimmungen schränkt der Westdeutsche Rundfunk (WDR) sein Internet-Angebot zum 1. Juni erheblich ein. “Wir bedauern, dass wir auf Angebote verzichten müssen, die bei unserem Publikum sehr beliebt waren und einen großen Service boten”, teilte Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz am Freitag in Köln mit. “Die neuen gesetzlichen Regelungen lassen uns aber keine andere Möglichkeit.”

Der Rundfunkstaatsvertrag ist auch hier der Grund für die massiven Einschränkungen des Online-Angebots. Doch was steht genau in Rundfunkstaatsvertrag, der die Wurzel des Übels ist? Zum Beispiel Folgendes:

§ 11d
Telemedien
(1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, das ZD und das Deutschlandradio bieten Telemedien an, die journalistisch-redaktionell veranlasst und journalistisch-redaktionell gestaltet sind.
(2) Der Auftrag nach Absatz 1 umfasst das Angebot von
1. Sendungen ihrer Programme auf Abruf bis zu sieben Tage nach deren Ausstrahlung, Sendungen auf Abruf von Großereignissen gemäß § 4 Abs. 2 sowie von Spielen der 1. und 2. Fußball-Bundesliga bis zu 24 Stunden danach,
2. inhaltlich und zeitlich bis zu sieben Tage danach auf eine konkrete Sendung bezogenen Telemedien soweit auf für die jeweilige Sendung genutzte Materialien und Quellen zurückgegriffen wird und diese Telemedien thematisch und inhaltlich die Sendung unterstützend vertiefen und begleiten, ohne jedoch bereits ein eigenständiges Telemedienangebot nach § 11f Abs. 3 darzustellen; diese sendungsbezogenen Telemedien sind in Telemedienkonzepten entsprechend § 11f Abs. 1 zu beschreiben; Vorankündigungen sind zulässig,
3. Sendungen und sendungsbezogenen Telemedien nach Ablauf der Fristen nach Nummer 1 1. Halbsatz und Nummer 2 sowie von nichtsendungsbezogenen Telemedien nach Maßgabe eines nach § 11f durchgeführten Verfahrens; in den Telemedienkonzepten ist angebotsabhängig eine Befristung für die Verweildauer vorzunehmen; nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote sind nicht zulässig und
4. zeitlich unbefristeten Archiven mit zeit- und kulturgeschichtlichen Inhalten nach Maßgabe der gemäß § 11f zu erstellenden Telemedienkonzepte.

Weiterhin findet sich am Ende des Vertrags eine Negativ-Liste mit Sachen, die die Onlineangebote der ÖRR nicht enthalten dürfen.

1. Anzeigenportale, Anzeigen oder Kleinanzeigen,
2. Branchenregister und -verzeichnisse,
3. Preisvergleichsportale sowie Berechnungsprogramme (z.B. Preisrechner, Versicherungsrechner),
4. Bewertungsportale für Dienstleistungen, Einrichtungen und Produkte,
5. Partner-, Kontakt-, Stellen-, Tauschbörsen,
6. Ratgeberportale ohne Sendungsbezug,
7. Business-Networks,
8. Telekommunikationsdienstleistungen im Sinne von § 3 Nr. 24 des Telekommunikationsgesetzes,
9. Wetten im Sinne von § 762 des Bürgerlichen Gesetzbuches,
10. Softwareangebote, soweit nicht zur Wahrnehmung des eigenen Angebots erforderlich,
11. Routenplaner,
12. Verlinkung ohne redaktionelle Prüfung; Verlinkungen sollen ausschließlich der unmittelbaren Ergänzung, Vertiefung oder Erläuterung eines Eigeninhalts (auch von Beteiligungsunternehmen) dienen und nicht unmittelbar zu Kaufaufforderungen führen,
13. Musikdownload von kommerziellen Fremdproduktionen,
14. Spieleangebote ohne Sendungsbezug,
15. Fotodownload ohne Sendungsbezug,
16. Veranstaltungskalender (sendungsbezogene Hinweise auf Veranstaltungen sind zulässig),
17. Foren, Chats ohne Sendungsbezug und redaktionelle Begleitung; Foren, Chats  unter Programm- oder Sendermarken sind zulässig. Foren und Chats dürfen nicht inhaltlich auf Angebote ausgerichtet sein, die nach den Nummern 1 bis 16 unzulässig sind.

Wohin soll es führen, wenn die ÖRR ihre Online-Angebote immer mehr einschränken müssen? Wenn es so weiter geht, haben wir bald medientechnisch gesehen ein zweites Italien.

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Rückschritt beim ZDF

Dienstag, 26. Mai 2009 16:43

Eigentlich mag ich das ZDF und besonders die ZDF Mediathek. Dort kann man wunderbar recherchieren, im Archiv stöbern und alte Sendungen anschauen. Besonders ältere Dokumentationen können sehr interessant sein, wenn es aktuelle Entwicklungen eines Themas gibt.

Doch langsam wird die ZDF Mediathek immer schlechter. Mir ist aufgefallen, dass zunehmend weniger Beiträge einzeln abrufbar sind. Stattdessen werden Sendungen im Ganzen in die Mediathek gestellt. Das finde ich persönlich suboptimal.

Dann wurde ein eigener Mediaplayer auf Flash-Basis integriert und alle anderen Möglichkeiten der Wiedergabe deaktiviert. Man kann jetzt also nicht mehr das WMP- oder VLC-Player-Plugin im Firefox mit all seinen Vorteilen nutzen, sondern muss den Flashplayer benutzen.

Und zuletzt: Einige Sendungen und einzelne Beiträge sind ganz aus der Mediathek verschwunden. Und zwar vornehmlich ältere Beiträge. Die ZDF Mediathek als umfassendes Archiv ist somit gestorben.

Und heute musste ich bei Heise lesen, dass das ZDF weitere Sachen aus seinem Online-Angebot streichen und die Mediathek ebenfalls um ca. 4000 Beiträge verkleinert werden soll. Wahrscheinlich sind das auch noch die interessanteren, tendenziell eher kritischen Beiträge und übrig bleiben Volksmusik, Möchtegern-Talksendungen, Sportsendungen und Kinderfilme.Auch Eigenproduktionen werden wegfallen:

Aus dem Netz genommen werden sollen darüber hinaus Eigenproduktionen, die älter als ein Jahr sind. Laut neuem Rundfunkstaatsvertrag dürfen Abruf-Inhalte in aller Regel nicht länger als sieben Tage im Internet angeboten werden.

Was soll der Blödsinn mit den Abruf-Inhalten? Wieder so eine sinnlose Vorschrift, entsprungen der EU-Feder. Wäre ja fast so, als würde man in der Wikipedia einfach alte Artikel löschen und nur noch aktuelle Artikel zulassen. Das ist für mich ein großer Rückschritt des ZDF. Obwohl einige Produktionen des ZDF wirklich gut sind, muss man wohl auf die Angebote der anderen ÖRR ausweichen, wenn man sich zu bestimmten Themen informieren und Dokumentationen oder Reportagen anschauen will. Festplattenspeicher ist günstig und vorhanden, die Netzanbindung der (potentiellen) Fernsehzuschauer wird immer besser, die GEZ-Gebühren steigen, und was ist? Die technischen Möglichkeiten werden einfach ignoriert und das Geld mit sinnlosen Sendungen und Formaten verschwendet. Das geht mal gar nicht!

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