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Bezahlte Meinung II

Freitag, 12. Juni 2009 11:44

Wie ich bereits hier geschrieben hatte, hatte die Bahn unter Ex-Chef Mehdorn durch versteckte PR-Maßnahmen versucht, ihr Image aufzubessern. Das Hauptziel dieser Aktion war es, die Privatisierung voranzutreiben und das Bild der Bahn in der Öffentlichkeit zurecht zurücken. Doch was ich nicht wusste: Sogar Promis wurden für diese Meinungsbildung herangezogen. Wie NDR Zapp berichtete, half beispielsweise Barbara Eligmann bei der Stimmungsmache mit:

Die ehemalige RTL-Moderatorin schwärmte zum Beispiel vom Nachtzug der Deutschen Bahn. “Statt im Billigflieger irgendwohin zu hecheln, lieber ein romantisches Abenteuer wagen, das tut nicht nur der Seele gut”

Und auch Hans Meiser, ebenfalls seit vielen Jahren Moderator bei RTL, machte Aussagen zur Bahn und verteidigte sogar deren häufige Verspätungen:

“Ich weiß doch als Bahnfahrer, dass die Pünktlichkeit des Zuges von vielfachen Faktoren abhängt. [...] Also fahre ich Bahn.”

Doch nicht nur Prominente wurden von der Bahn gekauft und für Ihre Zwecke eingesetzt, sondern auch Video-Plattformen wie YouTube. Hier kamen scheinbar normale Bürger bei Straßenbefragungen zu Wort und äußersten sich zur geplanten Bahn-Privatisierung, wie folgendes Beispiel zeigt:

Alle diese Methoden – Einbeziehung von Promis, fingierte Umfragen, versteckte Werbung im Netz – führen dazu, dass niemand erkennt, wann, wo und von wem geworben wird. Es ist nicht erkannbar, wer eigentlich dahinter steckt. Im Fall der Bahn steckt hinter diesen Aktionen berlinpolis, eine

formal parteipolitisch ungebundene Lobbyistengruppe mit 10 Mitarbeitern, die laut Eigendarstellung “Politik für morgen” gestalten möchte.

Die Mitarbeiter von berlinpolis haben nicht nur Prominente für die Arbeit eingespannt, sondern auch in vielen Blogs und Foren von bekannten Zeitschriften und Portalen (z.B. Stern, Tagesschau) pro Bahn geschrieben. Auch während der Streiks der Lokführer mischte berlinpolis bei der Meinungsmache mit und unterstütze die Bahn bei der Schwächung der Position der streikenden Lokführer, indem sie Suggestivfragen stellte. Eine dieser Fragen lautete:

Soll sich die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) auf das fünfte Angebot der Deutschen Bahn, wonach das Fahrpersonal einen eigenen Tarifvertrag, 4,5 % mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 2000 Euro erhalten solle, zufrieden geben?

Die Medien griffen die Umfrageergebnisse dieser – scheinbar – objektiven Umfragen auf und schrieben immer mehr gegen die streikenden Lokführer. Was sie jedoch ebenfalls nicht wussten: Sie wurden manipuliert. Hinter den Umfragen steckte die Deutsche Bahn.

NDR Zapp: Versteckte PR – Wie Firmen ihr Image schönen

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Bezahlte Meinung

Freitag, 29. Mai 2009 15:38

Wie kann man ein Produkt oder eine Dienstleistung am besten bewerben? Natürlich im Internet. Dort sogar weitestgehend zielgruppenspezifisch. Dass Unternehmen dabei vermehrt zu unlauteren und moralisch verwerflichen Methoden greifen, kam zuletzt bei der Bahn ans Tageslicht.

Die Deutsche Bahn hat verdeckte Werbemaßnahmen zur Imageverbesserung zugegeben. Im Jahr 2007 seien für vorproduzierte Medienbeiträge, für Blog- und Forenbeiträge, für Leserbriefe und Meinungsumfragen 1,3 Millionen Euro ausgegeben worden, erklärte Konzernchef Rüdiger Grube in Berlin. Dabei sei der Auftraggeber nicht erkennbar gewesen.

Der neue Bahnchef Gruber – erst seit wenigen Wochen im Amt – verurteilt dieses Handeln und werde die “notwendigen Konsequenzen” ziehen.

Aufgedeckt wurden die verdeckten PR-Maßnahmen der Bahn von dem Verein LobbyControl, der sich kritisch mit lobbyistischen Aktionen großer Unternehmen auseinandersetzt. Hauptsächlich geht es bei den Maßnahmen der Bahn um eine positive Darstellung der Privatisierungspläne des Konzerns. Auch Bundesverkehrsminister Tiefensee soll in die Maßnahmen der Bahn involviert gewesen sein.

Inzwischen hat LobbyControl weitere Einzelheiten zu dem Fall bekannt gegeben und Spiegel Online, Süddeutsche, Welt Online, Manager- Magazin, Handelsblatt, Der Tagesspiegel, Frankfurter- Rundschau, taz, ARD, ZDF und Bild.de berichteten darüber.

Das Thema der verdeckten Werbung im Internet ist nichts neues. Seit es Blogs, Foren und Bewertungsseiten wie ciao.de gibt, werden dort gezielt Meinungen publiziert, die nicht unbedingt von echten Privatpersonen stammen oder der Wahrheit entsprechen. Wieviel Prozent aller im Netz veröffentlichten Bewertungen, Meinungen und Empfehlungen tatsächlich “gekauft” sind, ist nicht ersichtlich. Kein Unternehmen wird zugeben, bezahlte Meinungen publiziert zu haben, um gezielt zu manipulieren. Auch das Schlechtreden der Konkurrenzprodukte ist dabei alltäglich, wie schon in 2005 in der Computerbild beschrieben wurde. (Hier hat die Computerbild ausnahmsweise mal keinen Mist geschrieben).

Das Problem ist ganz einfach, dass man eine Aussage nicht einfach verifizieren kann. Wenn eine PR-Aktion geplant ist und wirklich gut durchgeführt wird, kann man sie nicht aufdecken. Zumal dort keine Anfänger am Werk sind.

Um nicht als Profi-Werber entlarvt zu werden, verschleierten die Mitarbeiter die IP-Adresse ihrer PCs, bauten in ihre Texte absichtlich Rechtschreibfehler ein und bedienten sich der in Foren typischen Sprache.

Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich als Verbraucher immer im Klaren darüber sein, dass jede Meinung und jede Aussage gekauft oder manipuliert worden sein könnte. Anstatt ciao.de und ähnliche Seiten zu nutzen, also  lieber mal auf  renommierte (Fach- ) Zeitschriften zurückgreifen. Diese können zwar auch gekaufte Artikel enthalten, aber dort ist es eher selten der Fall. Zumindest ist da noch nichts Großes an die Öffentlichkeit gelangt…

Internet

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